Der Stahlmann-Materialismus
9. Juli 2026
Am Ende dieser Artikelserie soll nicht ein Urteil stehen, sondern etwas, aus dem der Materialismus wachsen kann — der Zweck solcher Artikel ist ein Materialismus der seine Aufgaben gut erfüllt, und auf gute Kritik mit guten Argumenten antworten kann. Sechs Gebiete der Physik haben wir mit Bill Gaedes Klinge geprüft: die Grundworte selbst, dann die Mechanik, das Feld, die Relativität, die Kosmologie, die Quanten. Immer war es dieselbe Klinge — ein Ding zeigt man, einen Begriff definiert man —, und immer schnitt sie an derselben Stelle: Rechnet die Physik hier noch mit einem Körper, oder mit einem Begriff, den sie für einen Körper ausgibt? Der Ort im Kreis war und bleibt die Art I des Materialismus, der Weltanschauung, die den Körper zu ihrer Sache macht. Was aus der Prüfung hervorgeht, ist weder der Abriss der Physik noch Gaedes Sieg, sondern ein Drittes, das keiner von beiden vorsah: ein geläuterter Materialismus, der weiss, welche seiner Worte zeigen und welche nur rechnen.
„Stahlmann“ ist die Gegenfigur zum Strohmann. Man baut die Sache, die man prüft, zuerst in ihrer stärksten Gestalt, so wie ihr bester Vertreter sie selbst sähe, ehe man sie auf die Probe stellt. So ist auch der Materialismus selbst zu bauen — einer, der den härtesten Schlag schon ausgehalten hat, ehe er ihn bekommt.
Ein Verdienst, aber ein doppelter Fehler
Von Gaede bleibt zuerst eine Frage, und sie ist gut. Sie lässt sich in einen Satz fassen: Zeigst du mir ein Ding, oder rechnest du mit einem Begriff? An jedes Grundwort der Physik ist sie zu richten, und wo sie eine leere Verdinglichung trifft — einen Massepunkt, der als Zentrum eines Objekts auftritt, eine Energie, die man ins Gefäss zu giessen vorgibt —, da schneidet seine Frage sauber. Diese Frage ist das Beste, was Gaede hat, und diese Artikelreihe nimmt jene Frage ernst.
Sein Fehler steht daneben, und er ist ein doppelter. Der erste ist eine Unterstellung: die Physik stelle diese Frage nie, sie mache aus ihren Begriffen eigennützig Dinge — eine „Religion“ mit „Priestern“. Der zweite ist Gaedes eigener: seine Flucht in ein Ding und in die Leugnung der Relativität. Beide Fehler sind einzeln zu prüfen, denn an ihnen entscheidet sich, was von ihm zu gebrauchen ist und was nicht.
Wo die Physik sich selbst befragt
Die Unterstellung zerbricht an jedem Gebiet, das die Reihe begangen hat. Die Physik stellt Gaedes Frage — sie stellt sie unablässig, und schärfer, als er es tut. Sie stellt sie, wenn Feynman den Zirkel F = ma offen einräumt und die Kraft dennoch rettet, weil sie „einen materiellen Ursprung“ habe, und „das nicht bloss eine Definition“ sei (a material origin, and this is not just a definition).3 Sie stellt sie, wenn Mach den absoluten Raum für ein blosses Gedankending erklärt und die Trägheit an die fernen Sterne bindet. Sie stellt sie, wenn die Wissenschaftsphilosophie die Singularität nicht für einen Gegenstand hält, sondern für den Ort, an dem „die Theorie zusammenbricht, nicht die physische Struktur der Welt“ (it is the theory that breaks down, not the physical structure of the world).4 Sie stellt sie, wenn Milgrom lieber das Gesetz der Schwerkraft ändert, als eine unsichtbare Masse zu erfinden. Sie stellt sie, wenn die Hubble-Spannung als offene Krise durch die Fachblätter geht. Und am tiefsten stellt sie sie im Lochargument, wo Einstein selbst den Punkten der Raumzeit die selbständige Wirklichkeit abspricht.6
Am schärfsten aber steht die Frage dort, wo die Physik am genauesten rechnet und am wenigsten weiss, wovon sie redet: im Messproblem der Quanten, seit hundert Jahren nicht gelöst. John Stewart Bell hat es auf die kürzeste Formel gebracht:
“Either the wavefunction, as given by the Schrödinger equation, is not everything, or it is not right.”
– John Stewart Bell
Entweder die Wellenfunktion ist nicht alles, oder sie ist nicht richtig — das ist keine Klage eines Aussenstehenden, das ist die Gabel, an der sich die grössten Physiker scheiden.5 Wer so fragt, hält seine eigenen Begriffe nicht für Dinge; er weiss besser als Gaede, wie wenig gesichert der Boden ist, auf dem er rechnet. Eine Physik, die ihre eigenen Verdinglichungen nie befragte, gibt es nicht — sie befragt sie unablässig.
Die Flucht ins eine Ding
Der zweite Fehler ist Gaedes eigener. Wer der Physik vorwirft, sie habe das Ding verloren, muss selbst ein Ding vorweisen — und das tut er. Seine „Rope Hypothesis“ ersetzt das gestaltlose Feld durch ein einziges, gestalthaftes Objekt: ein physisches Seil, das alle Atome paarweise verbindet und dessen Drehungen Licht, Elektrizität und Schwere sein sollen. Das ist die folgerichtige Einlösung seiner eigenen Forderung, zuerst das Objekt zu zeigen. Nur zerbricht das Seil genau an der Empirie, die das gestaltlose Feld mühelos trägt — an der quellenlosen Strahlung, die weiterläuft, wenn der Sender schweigt, an der Lorentz-Invarianz, an den quantitativen Vorhersagen, die Maxwells Gleichungen halten und ein Seil nicht. Sobald Gaede das Feld durch ein sichtbares Ding ersetzt, misslingt das Ding dort, wo das Feld gelingt. Das ist die schärfste innere Spannung seines ganzen Werks.
Und wo seine Begriffskritik zur Leugnung wird, verlässt er die Physik ganz. Der Name seiner Seite sagt es selbst; er bestreitet nicht mehr nur die Rede von der Raumzeit, sondern die Zeitdilatation, die Krümmung, die Relativitätstheorie als solche — und das steht gegen eine geschlossene Kette von Messungen, gegen die Satellitenuhren, ohne deren Relativitäts-Korrektur die Ortung binnen eines Tages um Kilometer danebenläge, gegen die gemessenen Gravitationswellen, gegen die Periheldrehung des Merkur. Diese Leugnung ist wissenschaftlich unhaltbar; sie gehört, was sie ist, an den Rand. Zu gebrauchen ist die Frage, nicht die Sonderlehre, die er als Antwort gibt. Man nimmt die Klinge und lässt das Seil.
Zwei Dinge fehlen, alles Übrige ist da
Zählt man zusammen, was die sechs Gebiete ergeben haben, so steht am Ende ein Doppelbefund, und beide Hälften sind wahr. Das Feld, die Energie, die Masse, die Raumzeit, die Wellenfunktion — keines davon ist ein Ding mit anschaulicher Gestalt, auf das sich der Finger legen liesse. So weit trägt Gaede, und die Physik gibt es ihm zu: Feynman gesteht, man habe „keine Kenntnis, was Energie ist“ (no knowledge of what energy is), und Einstein sagt vom Raum der Relativität, er sei zwar mit physikalischen Eigenschaften begabt, dürfe aber nicht als ein Ding aus verfolgbaren Teilen gedacht werden.37
Aber dieselben Grössen erfüllen der Reihe nach jedes andere Mass, das man je an ein Wirkliches gelegt hat. Sie tragen Energie und Impuls, den sie beim Abschalten zurückgeben. Sie wirken örtlich und mit messbarer Verzögerung. Sie sind in ihrer Struktur bis auf zwölf Stellen genau bestimmt. Und sie sagen voraus, was niemand kannte, und treffen es — Maxwells Gleichungen sagten Wellen voraus, ehe jemand sie sah, und Hertz erzeugte sie. Ein blosses Rechenzeichen sagt keine neue Naturerscheinung voraus. Nur ein einziges Mass bleibt unerfüllt: die Gestalt, der Ort, das Gewicht in der Hand.
Damit läuft die ganze Reihe auf die eine Frage zu, die hinter allem steht: Gehört die anschauliche Gestalt zum Wirklichsein? Gaede macht sie zur Bedingung — kein Bild, kein Ding, keine Physik. Die Physik verneint es und nennt das ihre Reife: was über alle Umstürze der Theorie hinweg bleibt, ist die Struktur, nicht das Bild.8 Feynman hat den ganzen Streit in eine Bestimmung gefasst — und das Merkwürdige ist, dass sie Gaede die Prämisse gibt und den Schluss verweigert:
“A ‚real‘ field is a set of numbers we specify in such a way that what happens at a point depends only on the numbers at that point.”
– Richard Feynman
Ein reales Feld ist eine Menge von Zahlen — zugegeben, dieselbe Menge von Zahlen, die Gaede als leer verwirft. Aber es heisst real nicht trotz dieser Zahlen, sondern wegen der Art, wie sie festgelegt sind: so, dass die Wirkung an einem Ort allein von den Zahlen an diesem Ort abhängt, und nicht von fernen Ladungen durch den leeren Raum hindurch.3 Die Zahlen sind nicht der Streitpunkt. Die Gestalt ist es.
Die ausgewanderte Substanz
Hier legen wir eine Ordnung an, die die unsere ist, nicht Gaedes Wort und nicht Lehrsatz. Im Bild dieser Seite trägt jede Weltanschauung ihre Substanz: dem Materialismus gehört der Körper, dem Mathematismus die Form, dem Rationalismus der Begriff. Gaedes Vorwurf, durch dieses Bild gelesen, ist der einer Auswanderung. Die Physik, angetreten als Wissenschaft vom Körper, arbeitet in Wahrheit an fremdem Ort: Sie rechnet mit der Gleichung und mit der Beziehung und gibt beides für den Stoff aus — Form und Begriff im Gewand des Körpers. So weit ist der Vorwurf halb richtig, und das Halbe ist genau zu benennen.
Denn wir haben bis hierhin mit dem Wort „wirklich“ hantiert, als wäre es der Massstab der Materie. Das ist es nicht. Es ist der Massstab einer anderen Weltanschauung, des Realismus, und man muss die Worte in ihrem eigenen Modus nehmen, um zu sehen, was hier geschieht. Das Feld ist nicht ein Ding — aber es ist darum nicht nichts; es ist feldhaft. Die Energie ist kein Stoff, sondern eine Bilanz; die Wellenfunktion kein Körper, sondern eine begriffliche Grösse über einem abstrakten Raum; die Raumzeit keine Bühne aus Brettern, sondern ein Gefüge von Beziehungen. Jedes dieser Worte hat seine eigene Weise zu sein, und keine davon ist die des Steins. Wer von ihnen verlangt, sie sollen „wirklich“ sein, wie der Stein greifbar ist, der ruft die Weise des Realen dort auf, wo die Weise der Form und des Begriffs waltet — und wundert sich dann, dass seine Hand ins Leere greift. Das ist der stille Grund des ganzen Zanks: Beide Seiten streiten um ein Wort, das der Sache, um die sie streiten, gar nicht als Massstab gebührt.
Doch die Auswanderung ist kein blosser Betrug, und darauf kommt alles an. Dass die Physik nach Form und Begriff hinüberging, ist nicht die Gaukelei von Priestern, sondern eine Entdeckung — die härteste, die sie machen konnte: dass der Körper allein nicht bis an die Erscheinungen reicht. Das Licht, die Trägheit, die Schwere, das Kleinste liessen sich mit dem greifbaren Ding und sonst nichts nicht mehr fassen. Wer darauf besteht, zuerst den Körper zu zeigen, hat recht als Zuchtmeister und unrecht als Grenzwächter: Die Forderung schützt vor leerer Verdinglichung, aber sie taugt nicht zum Zaun um das Wirkliche. Die Welt hat sich, so weit die Reihe reicht, als ärmer an Gestalt und reicher an Struktur erwiesen, als der Materialismus des Anfangs dachte.
Derselbe Dunst, ein anderer Ernst
Bleibt die Ironie, mit der die Reihe begann: Der Materialismus-Kritiker und der Materialismus, den er angreift, wohnen im selben begrifflichen Dunst. Gaedes eigene Grundworte — Gestalt, Abstand, Ort, Bewegung — sind selbst Beziehungen, gestaltlos jede für sich; wer nur das Greifbare gelten lässt, hat längst mit Ungreifbarem angefangen. Die Ironie steht. Nur ist ihre Auflösung nicht die, die Gaede zieht. Er löst sie, indem er beides für Magie erklärt: das Feld wie den Engel, die Singularität wie das Gespenst, die „Mathematik“ als „Mathemagie“ — eine Sprache, die zu erklären scheint und nur beschreibt, ein Priesterlatein der modernen Welt.1
Das Bild ist scharf, und es ist eine Karikatur. Denn zwischen der Zahl und dem Engel liegt ein Unterschied ums Ganze. Von der Zahl gilt, was Gaede ihr nachsagt: „eine Zahl ist eine Abstraktion; gleich dem Geist und dem Engel der Religion fehlt einer Zahl der Muskel, physische Dinge zu bewegen“ (a number is an abstraction. Like the spirit and angel of religion, a number lacks the muscle to move physical objects around).2 Aber die Zahl der Physik tut sichtbar etwas, das kein Engel tut: Sie sagt die Ablenkung eines Sternenlichts voraus, ehe man hinsieht, und trifft sie; sie bindet das magnetische Moment des Elektrons auf zwölf Nachkommastellen. Ein Engel, den man auf zwölf Stellen prüfen kann und der besteht, ist kein Engel mehr. Die Begriffe der Physik tun strenge, prüfbare Arbeit — und eben das scheidet sie vom vagen Wort, das alles erklärt und nichts riskiert.
Und doch benennt die Karikatur eine wahre Versuchung, die einzige, vor der Gaede zu Recht warnt: das Rechenwerk fürs Ding zu nehmen, die Gleichung für das Gerechnete, den Massepunkt für einen winzigen Stein, die verschmierte Katze für ein Tier in zwei Zuständen. Diese Versuchung ist keine eingebildete, und die Physik erliegt ihr überall dort, wo sie ihre Rechengrössen für Klötzchen ausgibt. Gaedes Verdienst ist, dass er den Finger genau auf diese Naht legt. Sein Fehler ist, die Naht für einen Riss zu halten.
Was standhält
Was also bleibt, wenn der Schutt der Übertreibung weggeräumt ist? Ein Materialismus in drei Stücken. Er behält Gaedes Zucht: Zeige zuerst das Objekt. Die Forderung bleibt eine Klinge gegen jede leere Verdinglichung, gegen jedes Wort, das sich für ein Ding ausgibt und keines zeigen kann. Er gibt aber zu, was Gaede verweigert: dass eine Struktur, eine Beziehung ohne Gestalt dennoch tragen, wirken, vorhersagen kann — und dass das genügt, auch wo der Finger ins Leere zeigt. Und er hält die Physik zur Ehrlichkeit an, zu sagen, wo sie deutet und wo sie rechnet, wo sie einen Körper zeigt und wo sie eine Struktur berechnet, die keiner ist. Nicht Gaedes Seil-und-sonst-nichts, sondern ein durch die Begriffskritik geläuterter Materialismus, den Erscheinungen treuer als der handfeste vom Anfang, der die Welt für einen Sack voller Klötzchen hielt.
Gaede wollte den Priestern ihre Geister nehmen; gelten liess er nur, worauf sich zeigen lässt. Die Reihe gibt ihm einen Materialismus zurück, der auf seinen eigenen Grund nicht mehr deuten kann. Der Finger, der auf den Stein deutet, findet am Grund der Physik nichts mehr, worauf er deuten könnte. Ob er damit ins Leere zeigt oder zum ersten Mal auf das, was den Stein trägt — das spricht diese Reihe nicht mehr aus. Sie legt es in die Hand, die den Stein noch hält.
Quellen
- Das Bild „A mathematician is a magician who converts adjectives into nouns …“ und der Satz „The mathematicians are the priests of the modern world“ stammen aus Gaedes Buch Why God Doesn’t Exist (breit belegt, u. a. über die Goodreads-Autorenseite mit Werk-Zuschreibung, daneben als Aggregat auf azquotes.com; auf den freien Webseiten nicht lokalisiert — als Buch-Zitat geführt). „Mathematics is a science of behavior. Physics is the science of existence“ steht auf „Mathematics is NOT the language of Physics“, [direkt]. Das Wort „Mathemagie“ ist eine zusammenfassende Kennmarke dieser Reihe, kein wörtliches Zitat Gaedes.
- Bill Gaede: „01TwoFields“ („a number is an abstraction. Like the spirit and angel of religion, a number lacks the muscle to move physical objects around“; „The word field cannot be used as a noun for the purposes of science“; „field … represents a verb; not a noun“) und „MPQM“ („‚physics‘ with spirits and ghosts“). youstupidrelativist.com.
- Richard P. Feynman, Robert B. Leighton, Matthew Sands: The Feynman Lectures on Physics, Bd. I, Kap. 4 („in physics today, we have no knowledge of what energy is“); Bd. I, Kap. 12 „Characteristics of Force“ („a material origin, and this is not just a definition“); Bd. II, Kap. 15 („A ‚real‘ field is a set of numbers we specify in such a way that what happens at a point depends only on the numbers at that point“).
- Erik Curiel und Peter Bokulich: „Singularities and Black Holes“, Stanford Encyclopedia of Philosophy („it is the theory that breaks down, not the physical structure of the world“). Deutsche Wiedergabe: eigene Übersetzung aus dem Original.
- J. S. Bell, zitiert nach „Philosophical Issues in Quantum Theory“, Stanford Encyclopedia of Philosophy („Either the wavefunction, as given by the Schrödinger equation, is not everything, or it is not right“; ebd. zum Messproblem als offenem Grundlagenproblem).
- Zu den in diesem Abschnitt genannten, hier nicht wörtlich angeführten Belegen: Ernst Mach, Die Mechanik in ihrer Entwickelung, 3. Aufl., Leipzig 1897 (die Trägheit gegen „die Masse der Erde und die übrigen Himmelskörper“; die absolute Zeit als „müßiger ‚metaphysischer‘ Begriff“; die Newton’sche Unterscheidung als „Illusion“); Mordehai Milgrom, MOND (1983), nach „Modified Newtonian dynamics“; die Hubble-Spannung (67,4 gegen 73,04 km/s/Mpc, mehr als 5σ) nach „The Hubble tension“, CERN Courier; das Lochargument (Einsteins Punkt-Koinzidenz-Argument, das den Raumzeitpunkten die selbständige Realität abspricht) nach „The Hole Argument“, Stanford Encyclopedia of Philosophy.
- Albert Einstein: Äther und Relativitätstheorie (Vortrag, Leiden, 5. Mai 1920). Der Raum der allgemeinen Relativitätstheorie sei mit physikalischen Eigenschaften begabt, dürfe aber nicht als aus durch die Zeit verfolgbaren Teilen bestehend gedacht werden. Wörtlich in der autorisierten englischen Übersetzung „Ether and the Theory of Relativity“ („space is endowed with physical qualities“; „may not be thought of as … consisting of parts which may be tracked through time“); das deutsche Original ist hier sinngemäss, nicht wörtlich gesichert.
- Zur Gegenrede des strukturellen Realismus: John Worrall, „Structural Realism: The Best of Both Worlds?“ (1989), und Hilary Putnam, Mathematics, Matter and Method (1975: der Realismus als „the only philosophy that doesn’t make the success of science a miracle“), beide nach „Structural Realism“ und „Scientific Realism“, Stanford Encyclopedia of Philosophy. Zur Energie als strukturell exakter Erhaltungsgrösse der Zeit-Translations-Symmetrie: Emmy Noether, „Invariante Variationsprobleme“ (1918) — Lehrbuchgut.
Zur Arbeitsweise: Dieser Schluss zieht die Summe der ganzen Reihe und wiederholt die Gebiets-Belege nicht, sondern verknüpft sie; die wenigen wörtlichen Zitate sind in den vorangehenden Gebieten im Volltext geprüft und dort nachgewiesen (Feynmans Lectures, die Artikel der Stanford Encyclopedia of Philosophy, Gaedes eigene, im Selbstverlag und auf offenen Preprint-Ablagen veröffentlichte Seiten). Die englischen Zitate stehen in der Sprache ihrer Quellen; die deutschen Wiedergaben in Klammern sind eigene Übersetzungen. Bei Einstein 1920 ist die autorisierte englische Übersetzung wörtlich belegt, das deutsche Original hier nur sinngemäss geführt. Das Wort „Mathemagie“ ist eine Kennmarke dieser Reihe, kein Zitat Gaedes. Die Deutung der Physik als einer Auswanderung der Substanz (vom Körper in Form und Begriff) und die Rede von den Substanzen in ihrem je eigenen Modus sind unsere Ordnung, kein Lehrsatz. Gaedes „Rope Hypothesis“ und seine Ablehnung der Relativitätstheorie sind seine eigenen, in der Fachphysik nicht anerkannten Lehren; sie werden benannt, nicht übernommen. Geprüft ist durchweg die Sache, nicht die Person.